Sonntag, 20. August 2023
Freiheit im Verlies der Lebensdauer
Sie schläft lange in den Tag hinein, tappst schlaftrunken in den Tag und zum Waschkrug hin. Noch versunken in den mystischen Armen der dunklen Seite wässert sie reichlich den verwunschenen Garten mit seinen Kräutern und Früchten und lässt sich dann erst nieder für einen friedlichen Kaffee. Ihre Anderwelt im Diesseits.

Sie denkt an ihre letzte Reise, auf der sie auf ausgetretenenen Pfaden unweit der Menschen geht. In ihren Träumen wird ihre große Furcht deutlich. Sie schlägt ihr Lager dicht an zwei wiederkäuenden jungen Bullen auf, die sie neugierig und linkisch beäugen und beschnauben. Sie schläft nicht tief und lange genug bis ins fahle Morgengrau. Diesmal führt sie die notwendigen Utensilien mit sich und alles bleibt trocken. Nach dem Rückbau ihrer Schlafstatt verlässt sie leise den versteckten Ort, tappt auf Zehenspitzen aus dem Wald, vorsichtig trockene Ästchen vermeidend. Auf dem zugewucherten Pfad, der an die verborgene Stelle führt, zieht sie die Schuhe aus, damit sie nicht vom Morgentau durchweichen. Auf der uralten Route angekommen wäscht und kämmt sie sich sorgfältig, ordnet ihre Dinge und startet gen Kamm.
Und bleibt gleich wieder stehen - vor ihr sitzt ein Frühaufsteher. Der Waldbewohner und sie betrachten sich regungslos, eine lange Weile.


Dann wirft sie noch einen Blick zurück auf die ruhenden Bullen und beginnt den Anstieg.


Sie durchwandert hohe Höhen und Schluchten voller Geröll, genießt die Freiheit und die Tour, weiß aber schon jetzt, dass sie zukünftig wieder einsame Landstriche wählt.




Sie kehrt zurück in diese Zeit, und nimmt sich einen weiteren Kaffee. Nur wenige Vögel singen ihr Lied, es ist bereits heiß. Die Sonne scheint ebenfalls erschöpft, sie unternimmt nur halbherzige Versuche, die Wolken zu verschieben. Kein Mangel erreicht ihre Welt.

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