Mittwoch, 21. Juni 2017
Reichtum
Schon gestern ging es ihr schlecht, diesmal hatte es aber nichts mit dem Liebesmann zu tun. Sie hatte Schwierigkeiten in der Gemeinschaft, hatte sich mit zuvielen Arbeiten übernommen und - das war das belastendste für sie: Die Gemeinschaft lehnte Wesenszüge von ihr ab, sie wurde massiv kritisiert.

Sie bekam unterschiedliche Spiegel und war verunsichert, welcher denn nun stimmte.

Sie hofft, es würde bald besser gehen. Als Strategie verordnet sie sich Rückzug.

Und sie ist überkritisch mit sich selbst, ob der Fehler, die sie hat.

Abstand will sie ebenfalls einnehmen, doch das gelingt ihr kaum. ,Kaum' ist aber besser als nichts, denkt sie und startet ihr Projekt trotzdem und lenkt ihre Aufmerksamkeit auf ihren Reichtum.

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Sonntag, 18. Juni 2017
ein Weg
In der Nacht geht sie aus. Sie erreicht das nahegelegende Dorf, in dem ein Basar, abends mit Musik und Tanz, veranstaltet wird. Unter dem Schutz ihres vorherigen Lebensmannes beginnt sie früh und zuerst zurückhaltend zu tanzen.

In der Geborgenheit des Dunkels und im Schein des lodernden Feuers überlässt sie sich später den Rythmen ihres Inneren; die Bewegungen ihres Körpers und die tanzenden Schritte ihrer Füße geschehen von allein, ihr Geist entschwindet und setzt ihre Seele völlig frei.

Sie isst kaum etwas und tanzt ohne Unterbrechung, Stunde um Stunde, bis die Musik endet. Immer noch fühlt sie sich stark und lebhaft, doch als alle gehen wendet sie sich ebenfalls dem Heimweg zu.

Nach einem tiefen und traumlosen Schlaf fällt ihr morgens noch im Grenzland des Bewusstseins ihr Liebesmann ein. Nichts Neues, sie beachtet ihre Gedanken nicht weiter.

Später macht sie sich auf zu einer Wanderung, den Waldrand entlang, anschließend folgt sie dem Ufer des naheglegenen Flusses. Sie sieht einen Fuchs, sein Blick begleitet eine Weile ihren Weg. Von den wilden Blumen pflückt sie sich einen kleinen Strauß, in blasslila und rosa gehalten mit wenigen weißen Blütentupfern. Sie legt die Pflanzen in den Schatten eines uralten Baums und wird sie auf dem Rückweg aufnehmen.

Ihre Blicke saugen die Schönheit der Natur auf; die weißen und hellroséfarbenen Blüten der Beerensträucher, den Hain mit Ahorn, Buchen, Nadelbäumen, Kamille und Brennesseln. Blaugrün schillernde Libellen sausen um sie herum und jagen knapp über dem Wasserspiegel dahin, sie bemerkt kleine Schwärme von Stichlingen, die sich in kleinen Becken die Sonne auf den Rücken scheinen lassen, die Nase gegen den Strom gerichtet.

Sie ist allein. Sie spürt ihre kraftvolle Gesundheit, das stille Gleichmaß in sich selbst, bemerkt, dass alles richtig ist.

Sie stellt sich vor, das Gehen des inneren Weges würde genauso gelingen wie ihre Wanderung, mit den Füßen und gespanntem Körper viele entschiedene Schritte voreinandersetzend.

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Samstag, 17. Juni 2017
Ankommen
Später war auch sie krank geworden. Als es ihr besser geht, treten sie die lange Rückreise an. Noch etwas geschwächt erreicht sie die Hütte.

Sie ist erleichtert und heilfroh, der Hitze und der Fremde entkommen zu sein und begrüßt das kühle Klima und die vertraute Heimat. Kein Fuchs erwartet sie, kein Fuchs heißt sie willkommen.

Den ersten Tag verbringt sie mit dem Versorgen aller Pflanzen und der Vögel, der großen Wäsche und den Verräumen aller Dinge.

Sie schläft schlecht, aber glücklich auf ihrer Ruhestätte. Am Morgen nimmt sie ein stundenlanges Bad und wäscht Hektik, Staub, Dürre und Hitze langsam und nachhaltig von der gebräunten Haut.

Kein Sterbenswörtchen von ihm. Sie erahnt die nächste lange Zeit.

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