Samstag, 17. Juni 2023
Zeitenleere
Sie erwacht in gewohnter Frühe und gleitet noch einmal zurück ins Land der Anderwelt, für weitere zwei Horen. Erst dann rollt sie sich unter dem leichten Plaid hervor, lässt die Fenster, auf denen die Sonne steht, halb bedeckt mit dunklem schweren Tuch, kocht sich Kaffee lässt sich mit bloßen Füßen am Tisch nieder - zum Wachwerden.

Von draußen schallen die Rufe und das Gezwitscher der vielen verschiedenen Federwesen herein, die meisten erkennt sie an ihrer Sprache. Schon gestern fiel ihr das aufgeregte Geschnatter von Neuankömmlingen auf - eine Gänsefamilie hat in einiger Entfernung Quartier genommen.

Alle Pflichten liegen hinter ihr. Der Garten ist bestellt und gewässert, zwei Kinder eines Walnussbaums, die sie vom Lebensmenschen erhalten hat sind eingebracht. Karren und der kleine Hof sind geschrubbt und sauber gefegt. Sowohl ihrer wie auch der Haushalt von dem alten Herrn sind verrichtet, samt Wäsche und Vorkochen einiger Mahlzeiten für den Alten. Sie war im Dorf, beim Bäcker, beim Gewürzkrämer und bei den Händlern und hat die wenigen Notwendigkeiten für sich zur Hütte getragen und verstaut. Abends hat sie alle Schreib- und Bucharbeiten erledigt und sich für ihr Mahl die bereits tiefroten Früchte, die sie sich mit vielen hungrigen Schnäbeln teilt, als frische Süßigkeit dazugeholt.

Nun liegt der neue Tag, den sie zögerlich betritt, frei vor ihr. Sie wird weitere Ernten einbringen, zum Einkochen und für den Kuchen für ihre Sonntagsgäste. Weitere Pläne fasst sie nicht, sie liebt diese Freiheit und die Leere der Zeit.

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